The Walking Dog
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6. April 2016

Seit ich mich mit Hunden beschäftige lese ich Blogs über Hunde, sehe Videos über Hunde, lese Bücher über Hunde und irgendwie dreht sich alles um Hunde.

Überall geht es im Grunde genommen darum, dem Hund ein gutes Leben zu ermöglichen,  dem Hund Freiheiten geben zu können, ihn artgerecht zu ernähren oder ihn artgerecht zu beschäftigen. Ich musste feststellen, dass mich dies enorm unter Druck setzt.

Allein der Gedanke, der Hund war heut erst ne halbe Stunde spazieren und ich muss jetzt was mit ihm machen, obwohl ich doch viel lieber einfach vor mich hin dümpeln würde zeigt , wie sehr sich die Seele gegen alles wehrt was ich jetzt mit dem Hund machen werde. Denn ich mach es dann, weil ich glaube es zu müssen und nicht weil der Hund es fordert oder ich aus Vergnügen handle.

Mein Bruder fragte mich letztens: „Wer sagt dir überhaupt, dass der Hund immer Lust dazu hat spazieren zu gehen?“

Ja niemand oder doch alle!? Alle meinen es, aber mein Exemplar von Hund geniesst es gern und häufig einfach nur zu sein. Wie er das macht? Er liegt im Garten. Döst, schläft, jagt Vögel, bellt mit dem Nachbarshund um die Wette, buddelt, bewacht, spielt, sucht, schnuppert, wälzt sich, rupft Moss aus dem Boden, frisst Vogelfutter und genießt dies in vollen Zügen. Er macht, ganz objektiv betrachtet, nicht den Eindruck als hätte er das Bedürfnis seine Position zu verlassen.

Aber ich muss doch, oder? Ich bin doch nur ein guter Hundehalter, wenn ich mich 2 Stunden am Tag intensiv mit meinem Hund beschäftige, oder doch nicht!? Ist es nicht genau so wichtig einfach mal zu tun was mir selber gut tut um gut zu meinem Hund zu sein? Mal durchzuatmen, was neues (auch ohne Hund) erleben zu dürfen oder  ein Schläfchen zu halten, damit ich den Kopf wieder für Schönes frei habe?

Ich  will die Dinge gerne machen, jedoch fange ich über Unmengen an Einflüssen an mich zu Vergleichen. Da gibt es Videos über Hunde, die die wildesten Tricks können und Leute die sich in jeglicher komplizierten Situation immer noch freundlich trällernd gegenüber ihrem Hund verhalten. Und ich, ich laufen nach 3 Jahren „mein Möglichstes tun“ immer noch mit einem Hund rum, der angespannt auf andere Hunde reagiert und bei fehlender Aufmerksamkeit dem nächsten Hasen hinterher stellt.

Gut gemeinte Ratschläge wie: „Das ist nicht der Hund schuld, sondern dein Trainingsaufbau“ oder „Dann hast du nicht genug geübt“, geben dem Bild dann noch einen unschönen Rahmen.

Das Vergleichen ist das was uns das Gefühl gibt etwas falsch oder nicht genug zu machen. Wenn ich Nachbars Hund sehe, der so ist wie ich mir meinen Hund wünsche, vergessen ich schnell, dass mein Hund schon vier Mal die Familie gewechselt hat, in der letzten Familie vom Opa mit der Zeitung geschlagen wurde oder die ersten Lebensjahre mit Stachelhalsband in Spanien an der Kette gefristet hat. Ich vergesse auch, wie mein Hund war und was sich in den letzten Jahren verändert hat. ich sehe nur den Vergleich zwischen zwei Tieren und mache das wovor Oma immer gewarnt hat: Ich vergleiche Äpfel mit Birnen!

Da sind wir wieder bei der Überschrift: Papier ist geduldig!

Ja. Videos auch, Bilder auch, Blogbeiträge auch. Heut zu Tage ist es die Regel in allem das Positive hervor zu heben, sich selber gut darzustellen und alles negative rauszuschneiden. Und genau so läuft es nun mal in der Welt. Glaubt nicht alles was ihr seht. Vergleicht weder euch noch euren Hund mit anderen und tut was vor allem euch und eurem Hund Spaß macht. Liebt euren Hund so wie er ist. Ihr habt (oftmals) nur den einen und der hat es verdient!

24. September 2015

Seit einigen Jahren sieht mein Alltag so aus: Mehrere Stunden am Tag verbringe ich Zeit mit Hunden, die nicht meine eigenen sind. Ich fahre zu ihnen nach Hause, kuschele sie durch, spiele, gehe spazieren, kuschele sie wieder durch und fahre zum nächsten Hund. Sobald ich die Haustüren öffne, erwarten mich wedelnde Vierbeiner, die mir mit vollem Körpereinsatz zeigt warum ich mit soviel Freude meinen Job mache.

Ich weiß, dass es ihnen bei mir gut geht und ich für die Hunde eine willkommene Unterbrechung bin währen sie auf das Heimkommen ihrer Besitzer warten.

Doch dann kommt auf einmal dieser Tag an dem mir klar wird, dass ein Wochenende eine Veranstaltung mit sich bringt, die mir keinen Raum dazu lässt meinen Hund ordentlich zu versorgen. Die Gedanken ziehen ihre Kreise und ich spiele alle Möglichkeiten durch wie ich ihm das geben kann, was er braucht. Mir wird bewusst, dass ich es allein nicht schaffen werde und ich niemanden habe, dem ich ihn überlassen kann.

Irgendwie dumm von mir, denn natürlich weiß ich nicht erst seit gestern, dass es immer mehr als nur eine Bezugsperson in einem Hundeleben geben sollte. Bisher sah ich die Notwendigkeit nicht und stehe nun da mit meinem Problem.

Nach langem Abwägen bleibt nur eine für mich denkbare Alternative übrig. Auch wenn es mein Herz weinen lässt entscheide ich mich gegen mein Ego und für meinen Hund. Ich gebe ihn in eine Hundepension. So werde ich vom Hundesitter zum Kunden und fühle zum ersten Mal was meine Kunden fühlen. Fühle zum ersten Mal die Ängste, das Unbehagen und das schlechte Gewissen, was entsteht wenn man glaubt der Sache nicht gerecht werden zu können. Leicht fällt mir der Gedanke nicht doch trotzdem vereinbare ich einen Schnupper-Termin beim Hundehof Hochstein.

Bei der Ankunft bin ich wahrscheinlich ähnlich aufgeregt wie mein Hund. Jedoch brauchen wir beide meist gleich lang um uns an neue Situationen zu gewöhnen. Somit rede ich mit der potenziellen Betreuerin während Sam versucht die Hühner in Angst und Schrecken zu versetzen.
Mein Aufregung schwindet. Der Zaun wirkt ausbruchsicher, im Hundehaus warten behagliche warme Zimmer, mein Hund knüpft die ersten Kontakte und fühlt sich sichtlich wohl. Somit zeigt sich, dass wir hier finden was mir wichtig ist: Einen Platz an dem es ihm zum gewünschten Termin besser geht als bei mir.

Die Zeit vergeht. Wir setzen uns bei regnerisch, kaltem Wetter an eine windgeschützte Stelle. Mit einem mir fremdem Hund auf dem Schoß (der sichtlich den warmen Platz genauso genießt, wie ich die Wärme genieße, die er spendet) beobachte ich Sam, der neugierig das Gelände erkundet. Und plötzlich fühlt sich alles richtig an und meine Entscheidung ist gefallen. Wir vereinbaren einen Termin zum Probetag.

Ich fahre nach Hause. Mein Kopf steckt voller neuer Eindrücke und Gedanken und im Kofferraum sitzt ein dreckiger sowie müder Hund. Das Gefühl ihn für zwei Tage abzugeben stimmt mich nicht grad fröhlich, aber zu wissen dass er in guten Händen sein wird, hilft mir damit umzugehen.

7. November 2013

Seit ich wieder Schüler bin, mache ich mir sehr viele Gedanken um das „Warum?“

Warum wäre es besser für meinen Hund weniger nervös und weniger unsicher zu sein? Warum sollte es hilfreich sein, mehr Ruhe in den Alltag und die Spaziergänge zu bringen? Warum sollten klare Regel hilfreich sein?

Erst einmal habe ich angefangen umzusetzen, was mir aufgetragen wurde. Als Schüler mache ich das nämlich so. In erster Linie glaube und vertraue ich dem, der mehr Erfahrung in einem speziellen Gebiet hat. Während ich an unserem neuen Leben arbeite entdecke ich, wie ich selber Ideen entwickle um das was ich erzielen will zu erreichen und wie die Antworten zu meinen Fragen auftauchen.

Während wir heute durch das würzig duftende Herbstlaub schlichen und ich mich bei einem entspannten Spaziergang an den bunten Farben erfreute kam mir der Gedanke an meine erste Tai Chi Stunde. Mein Trainer erklärte mir: „Jeder kann schnell Fahrrad fahren oder schnell rennen, viel schwieriger ist es langsame Bewegungen zu machen. Lerne dich zu entspannen, ruhig zu sein und jede Bewegung zu fühlen.“ Das ist jetzt mehr als ein Jahr her. Nach den Tai Chi Stunden fühle ich mich wie ein neuer Mensch. Ich empfinde das Training als sehr anstrengend, aber ich liebe es. Neuerdings sehe ich es so: Leinenführigkeit ist Tai Chi für den Hund. Es ist genauso, wenn nicht noch anstrengender als schnelles Laufen, es fördert die Konzentration und entspannt. Deshalb baue ich „langsames gehen“ in unsere Spaziergänge ein. Das Positive an der daran ist für mich, dass auch ich etwas vom Spaziergang habe und nicht mehr in Höchstgeschwindigkeit durch die Wälder rasen muss. Denn scheinbar bin ich bisher ganz ordentlich „bei Fuß“ gegangen.

Es ist zu erkennen, dass sich innerhalb der letzten Wochen das Gedanken-Karussell in meinem Kopf permanent drehte. Denn ein klarer Moment folgte dem nächsten wie im Flug. So löste sich auch die Frage: “Ein nervöser Hund, was ist schon schlimm daran?“. Erst einmal nichts, solang ich nicht an Situationen denke in denen ich selbst nervös bin oder war. Nervös sein ist unangenehm, kräftezerrend und lästig. Meine Erinnerungen an meine Ausbildung zur Augenoptikerin halfen mir dabei, klarer zu sehen. Im zarten Alter von 16 Jahren, war ich sehr schüchtern und unsicher. Leider konnte das jeder erkennen, denn mein Gesicht färbte sich in neuen Situationen leicht bis dunkelrot. Dieses Gefühl war nicht sehr schön. Zum Glück hatte ich einen Gesellen an meiner Seite, der es sich zur Aufgabe machte mit mir zu üben. Jeden morgen trafen wir uns im Laden vor dem Spiegel, ich musste mich ansehen und sagen:“Ja, ja, ich bin was!“. Anfangs kam ich mir selten dämlich vor, irgendwann wurde es normal und dann steigerten wir das Ganze und übten Verkaufsgespräche. Ich wuchs in meine neuen Aufgaben hinein, dank seiner guten „Führung“. Mit dem Wachsen des Selbstvertrauens verschwanden Unsicherheit und Nervosität.
Ich will nicht, dass mein Hund mit „dunkelrot gefärbtem Gesicht“ durchs Leben laufen muss. Deshalb spielen wir Geselle und Lehrling. Wir üben jeden Tag in wohl dosierten Häppchen, bis ich erkenne das er mit Selbstbewusstsein auf allen vier Pfoten fest im Leben steht. Um das zu erreichen steht noch ein langer Weg vor uns, denn um zu erkennen wann sich sein Gesicht in eine „leichte Röte“ wandelt, muss ich lernen ihn zu beobachten und frühzeitig zu reagieren.

Zu guter letzt sind da noch die Regeln. Auf meiner Arbeit gibt es Regeln, festgelegt im Arbeitsvertrag. Ich komme gut damit klar. Das einzige womit ich nicht klar komme ist, dass ich weder richtig gelobt werde noch einen auf den Deckel bekomme, wenn ich mal was vermasselt habe. Viele sagen bestimmt:“Das ist doch OK.“ Ich finde nicht! Wenn ich immer machen kann was ich will ohne die Konsequenzen dafür tragen zu müssen, falle ich schnell in den Glauben es sei völlig egal wie ich mich verhalte. Also gibt es bei uns jetzt feste Hunderegeln, vertraglich festgehalten. Lob und Kritik gibt es kostenfrei mit dabei. Schließlich leben wir in einer Gruppe und die funktioniert nur, wenn sich alle an die gleichen Grundsätze halten.

Unser neues Leben ist anstrengender. Es wird begleitet von Freude, Erfolg, Frustration und Niederlagen. Leider entsteht die Frustration meist dadurch, dass ich zu viel von mir selber wie auch von meinem Hund erwarte. Wir lernen jeden Tag. Geübt wird Leinenführigkeit, Tricks, Ruhephasen zu haben, für Futter zu arbeiten, andere Hunde in Ruhe zu lassen (was meistens nicht klappt :-() und aufeinander zu achten. Die Liste könnte ich sicherlich um einiges erweitern. Es macht Spaß etwas Neues zu probieren und ich muss mich selbst darin bremsen, dem Hund zu viel ab zu verlangen. Ich sehe wie sich innerhalb von ein paar Wochen so viel geändert hat und wünschte ich könnte jeden davon überzeugen es selbst einmal zu versuchen. Aber Vorsicht, zu viel bedeutet Stress und an den Punkt kam ich mit Sam auch schon. Das Schlimme dabei ist, dass sich ein Hund mit Frust und Stress genau so wie ein Mensch verhält. Er entlädt sich unangekündigt! Das kann im Zweifelsfall damit enden, dass Sie der Länge nach auf einem öffentlichen Parkplatz liegen, weil Ihr Hund während Sie die Schuhe binden einen anderen Hund entdeckt und mit seinen 34 Kilo bellend nach vorne prescht. Peinlich, unangenehm, schmerzhaft! Dann der Gedanke: Das hat er ja noch nie gemacht! Aber der zweite Gedanke sollte sein: Warum? So war es bei mir.
Seit dem habe ich die Regeln etwas gelockert. Denn während meinem Gedanken etwas gutes zu erreichen habe ich gleichermaßen in ihm etwas aufstauen lassen, was sich zwangsläufig irgendwann nach aussen richten musste.

So sieht meine Interpretation der Dinge aus. Sicherlich gibt es Menschen, die die Dinge anders sehen. Ich freue mich über jede Anregung und Meinung, denn das hilft mir mich selbst neu zu überdenken.