The Walking Dog
Ihr Dogwalker-Service für Siegen und Umgebung
Wenn der Hundesitter einen Hundesitter sucht
24. September 2015

Seit einigen Jahren sieht mein Alltag so aus: Mehrere Stunden am Tag verbringe ich Zeit mit Hunden, die nicht meine eigenen sind. Ich fahre zu ihnen nach Hause, kuschele sie durch, spiele, gehe spazieren, kuschele sie wieder durch und fahre zum nächsten Hund. Sobald ich die Haustüren öffne, erwarten mich wedelnde Vierbeiner, die mir mit vollem Körpereinsatz zeigt warum ich mit soviel Freude meinen Job mache.

Ich weiß, dass es ihnen bei mir gut geht und ich für die Hunde eine willkommene Unterbrechung bin währen sie auf das Heimkommen ihrer Besitzer warten.

Doch dann kommt auf einmal dieser Tag an dem mir klar wird, dass ein Wochenende eine Veranstaltung mit sich bringt, die mir keinen Raum dazu lässt meinen Hund ordentlich zu versorgen. Die Gedanken ziehen ihre Kreise und ich spiele alle Möglichkeiten durch wie ich ihm das geben kann, was er braucht. Mir wird bewusst, dass ich es allein nicht schaffen werde und ich niemanden habe, dem ich ihn überlassen kann.

Irgendwie dumm von mir, denn natürlich weiß ich nicht erst seit gestern, dass es immer mehr als nur eine Bezugsperson in einem Hundeleben geben sollte. Bisher sah ich die Notwendigkeit nicht und stehe nun da mit meinem Problem.

Nach langem Abwägen bleibt nur eine für mich denkbare Alternative übrig. Auch wenn es mein Herz weinen lässt entscheide ich mich gegen mein Ego und für meinen Hund. Ich gebe ihn in eine Hundepension. So werde ich vom Hundesitter zum Kunden und fühle zum ersten Mal was meine Kunden fühlen. Fühle zum ersten Mal die Ängste, das Unbehagen und das schlechte Gewissen, was entsteht wenn man glaubt der Sache nicht gerecht werden zu können. Leicht fällt mir der Gedanke nicht doch trotzdem vereinbare ich einen Schnupper-Termin beim Hundehof Hochstein.

Bei der Ankunft bin ich wahrscheinlich ähnlich aufgeregt wie mein Hund. Jedoch brauchen wir beide meist gleich lang um uns an neue Situationen zu gewöhnen. Somit rede ich mit der potenziellen Betreuerin während Sam versucht die Hühner in Angst und Schrecken zu versetzen.
Mein Aufregung schwindet. Der Zaun wirkt ausbruchsicher, im Hundehaus warten behagliche warme Zimmer, mein Hund knüpft die ersten Kontakte und fühlt sich sichtlich wohl. Somit zeigt sich, dass wir hier finden was mir wichtig ist: Einen Platz an dem es ihm zum gewünschten Termin besser geht als bei mir.

Die Zeit vergeht. Wir setzen uns bei regnerisch, kaltem Wetter an eine windgeschützte Stelle. Mit einem mir fremdem Hund auf dem Schoß (der sichtlich den warmen Platz genauso genießt, wie ich die Wärme genieße, die er spendet) beobachte ich Sam, der neugierig das Gelände erkundet. Und plötzlich fühlt sich alles richtig an und meine Entscheidung ist gefallen. Wir vereinbaren einen Termin zum Probetag.

Ich fahre nach Hause. Mein Kopf steckt voller neuer Eindrücke und Gedanken und im Kofferraum sitzt ein dreckiger sowie müder Hund. Das Gefühl ihn für zwei Tage abzugeben stimmt mich nicht grad fröhlich, aber zu wissen dass er in guten Händen sein wird, hilft mir damit umzugehen.